Sammlungen, Forschungen & Projekte

1573: Der Jude Salomon aus Urspringen will sich im „Dorff Heydenfelt“ in der Grafschaft Wertheim niederlassen.

1573

Martin Harth hat auf einen Bestand im Staatsarchiv Wertheim aufmerksam gemacht (StAWt-G Rep 102 Nr. 311), in dem verschiedene Schreiben betr. Juden aufbewahrt werden. In dem vorliegenden Schreiben vom 19. Mai 1573 (Anfang) informiert der Rothenfelser Amtmann Hans Wilhelm von Riedern, dass der Jude Salomon von Urspringen aus dem Erzstift Mainz in das wertheimische Dorf „Heydenfelt“ übersiedeln wolle.

Dieses Schreiben ist die zweiälteste Überlieferung von Juden in Urspringen und legt die Anwesenheit von Juden in Marktheidenfeld nahe, auch wenn wir nicht wissen, ob die Ansiedlung 1573 gestattet wurde.

Neue Funde

Von unserem Mitglied Martin Harth, Marktheidenfeld wurden den Sammlungen des Förderkreises 2017 zwei äußerst interessante „Objekte“ zur Verfügung gestellt.

Der Schuhlöffel des Schuhhändlers Adolf Freimark, Marktheidenfeld

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Eine Rechnung der Firma „Gebrüder Heilner, Stuttgart“, vom 12. Februar 1914. Die Söhne des Urspringener Lehrers Aron Heilner waren die Gründer dieser seit 1863 bestehenden Firma.

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Justin Adler, der letzte Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde in Urspringen (1906-1942)

Anlässlich des Dorfjubiläums „1000 Jahre Urspringen“ tauchten im Privatbesitz befindliche Dokumente zur jüdischen Geschichte auf. Mehrere Schriftstücke gehörten Justin Adler, der einen Handel mit landwirtschaftlichen Maschinen in Urspringen betrieb. Nach der Pogromnacht 1938 wollte er mit seiner Familie, seiner Frau Lina, geb. Schönfärber, (1901-1942) und seinen Kindern Manfred (* 1932) und Inge (* 1934), in die USA auswandern. Das abgebildete Schreiben aus Amerika vom 31. Oktober 1941 zerstörte jede Hoffnung. Die Familie wurde 1942 deportiert.

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Der Überseekoffer der Familie Hermann Landauer, Urspringen

Hermann Landauer (1892-1991) und seine Frau Hilda, geb. Adler, (1893-1942) waren nach der Pogromnacht 1938 entschlossen auszuwandern. Angeschafft wurde ein großer Überseekoffer und Literatur zur Auswanderung. Die Auswanderung gelang aber nicht. Beide wurden 1942 deportiert. In Urspringen blieb aber der Koffer, der bei einer befreundeten Familie untergestellt war. Dieser Koffer ist seit dem Dorffest 2015 in der Synagoge ausgestellt. Siehe Artikel der Mainpost vom 1. August 2015.

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Sammlungen

Seit ca. 1980 wurden von Dr. Leonhard Scherg umfangreiche Sammlungen von Dokumenten und Büchern zum Judentum, zur Geschichte der jüdischen Gemeinden des Landkreises Main-Spessart und Unterfrankens sowie zu jüdischen Familien angelegt.

Diese Sammlungen befinden sich im Archiv der Stadt Marktheidenfeld („Judentum“) und können dort eingesehen werden.

Die nicht in der Genisa-Ausstellung in der Synagoge präsentierten Objekte befinden sich im Depot des kreiseigenen Spessart-Museums, Lohr.

 

Forschungen

Die genannten Sammlungen sind Grundlage von zahlreichen Veröffentlichungen.

 

Projekte

Beschneidungsbuch David AdlerMohelbuch

Das Beschneidungsbuch (Mohelbuch) des David Adler aus Urspringen wurde im September 2008 vom Förderkreis Synagoge Urspringen mit Unterstützung der Kreissparkasse Main-Spessart aus dem Antiquitätenhandel erworben. Das Buch mit dem Taschenformat 17 x 12 cm ist in einen braunen Ledereinband gebunden, besteht aus 120 Blättern, von denen 97 beidseitig und ein Blatt (Titelblatt) einseitig beschrieben sind. Die Handschrift wird im Stadtarchiv Marktheidenfeld aufbewahrt.

Das Büchlein wurde von David Isaak Adler (1789  – 1855) angelegt und war zuletzt im Besitz seines Urenkels Justin Adler (geb. 1906; deportiert 1942), des letzten Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Urspringen. Das Beschneidungsbuch erfasst 366 Beschneidungen aus den Jahren 1813 bis 1854, aus Urspringen, Homburg, Karbach und den umliegenden Orten.

Martin Fränkel, der mit seiner Familie in Israel wohnt, dessen Wurzeln sich aber in Urspringen befinden, und seine Ehefrau Ronit bereiten zur Zeit eine Veröffentlichung des Mohelbuchs vor. Durchgearbeitet wurden bisher in einem ersten Durchgang alle Einträge. Ein großer Teil wurde bisher von  Leonhard Scherg mit den Einträgen in den Jüdischen Standesregistern im Staatsarchiv Würzburg verglichen. Vorgesehen ist die Veröffentlichung für 2019 in Zusammenhang mit dem Johanna-Stahl-Zentrum in Würzburg.

Das Fotobüchlein der Serry Adler

Im Februar 2014 wurde der Fund eines Fotobüchleins bekannt, das im Museum von Majdanek aufbewahrt wird. Als Besitzer des Büchleins konnte Serry Adler (1925-1942) aus Urspringen ermittelt werden. Das 16jährige Mädchen wurde mit seiner Familie und mit zahlreichen Urspringener Bürgern (insgesamt 42 Personen) am 25. April 1942 von Würzburg aus deportiert. Das wohl 1940/41 entstandene Büchlein, dessen  Fotos vom Museum Majdanek dem Förderkreis Synagoge Urspringen zur Verfügung gestellt wurden, gewährt einen unmittelbaren Eindruck in die Lebensumstände von Serry Adler.

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Dieses Fotobüchlein stand im Mittelpunkt von Fernsehaufnahmen und eines Interviews von Dariusz Pawlos, dem Vorsitzenden der Stiftung Polnisch-Deutsche Aussöhnung, mit Dr. Leonhard Scherg am 9. Mai 2016 in Warschau, bestimmt für den Film „Die Wächter der Erinnerung“.

Im Herbst 2016 fand ein Vortrag über dieses Büchlein zusammen mit der vhs Marktheidenfeld statt.